Albanien und so

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RolandderÀltere
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Albanien und so

Beitragvon RolandderĂ€ltere » 15.07.2016, 19:48

Hallo ,

dann wollen wir uns doch endlich mal von unserer diesjÀhrigen Reise melden.

Wir schreiben auch wieder einen sogenannten "Rundbrief", der allgemein an alle gerichtet ist, die unsere Mails nicht rechtzeitig in den Spamordner geschickt haben. Hier nehme ich den eben auch fĂŒr unser Forum her:

Wie immer freuen wir uns ĂŒber Eure persönlichen Emails mit Kommentaren, Tips und auch Berichte von Euch und Eurer Umgebung. Die werden garantiert alle persönlich beantwortet!

Wegen "innerbetrieblicher UmstÀnde" sind wir dieses Jahr doch erst im Juni am Start gewesen.

Unser Ziel nannten wir immer „Albanien“. NatĂŒrlich wollen wir nach Albanien. Allerdings nicht durch solch eine Transportröhre wie eine Autobahn, sondern per „autowandern“ durch alle LĂ€nder die vor und neben Albanien liegen. Unsere Reisezeit ist ja schließlich nur durch kĂŒnftigen Frost zuhause begrenzt, weil wir die Wasserleitungen im HĂ€usele nicht entleert hatten.

Ein Weilchen waren wir doch noch in Deutschland. So sahen wir wieder einiges neues von Wasserburg, Bad Reichenhall und dem Chiemsee. Da sind wir jeweils recht intensiv mit dem Fahrrad unterwegs gewesen. War jeweils richtig schön.

Ein StĂŒck weiter, in KĂ€rnten, starteten wir morgens von den Turracher Höhen, als die Einspritzpumpe das Zeitliche segnete. Meine Reparaturversuche, dann auch mit Gelben Engel vom ÖAMTC, ergaben nur noch deren Tod. Wir wurden per LKW (23% GefĂ€lle Bergstrecke, mit uns beiden oben im Bus) nach Feldkirchen transportiert, weil ein Schleppen dem gelben Engel bei diesem GefĂ€lle zu riskant war.

Als wir uns dann eine SIM-Karte fĂŒr Telefon und Internet gekauft hatten, lagen fast alle Möglichkeiten offen. Wir konnten "die FĂ€den ziehen"...

Mein erster Hilferuf ging ins österreichische VW-Busforum. Über einen tollen Kontakt bekamen wir dadurch Kontakt zu Clemens, einem IG (Interessengemeinschaft) Syncro 16" Mitglied. So sind wir in einem herrlichen Vorgarten seiner Eltern gelandet und bekamen aus Deutschland eine generalĂŒberholte Einspritzpumpe geschickt.

Neben dem ganzen Ärger, den das eigentlich ja bedeutet, freuten wir uns schon gewaltig ĂŒber vieles, was die heutige Zeit so alles ermöglicht:
Bei all dem lernten wir wieder tolle Menschen kennen. Fast nur!

Wir genossen sÀmtliche Ver- und Entsorgungsmöglichkeiten, Sonne und Schatten zu den richtigen Tageszeiten. Was denn mehr?

Vom Sonntag, dem Todestag der alten bis zum Erwachen der neuen Einspritzpumpe verging keine Woche. Eine Woche, in der alles einfach nur klappte.

Mittlerweile durfte die Einspritzpumpe ihre QualitÀt schon beweisen- ich schreibe die letzten Zeilen doch schon wieder aus Mostar in Bosnien Herzogewina.

Die Hilfen der österreichischen Bullifreunde- und was wir daraus machen konnten, könnt Ihr unter diesem Link nachlesen:

http://www.vwt3.at/index.php?/topic/441 ... ent-380918

Die österreichische SIM-Karte konnte uns dann in Slowenien und Kroatien nicht mehr mit dem Rest der Welt verbinden.

Wir blieben “offline”.

Slowenien war fĂŒr uns schon einmal Neuland. Neuland mit gewaltigen Überraschungen:

Wir empfanden sehr viele der dortigen Autofahrer als agressiv und gefÀhrlich! Fast so, wie die in Paris.

Nun, die Art Auto zu fahren, muss man wohl in jedem neuen Land erst einmal neu kennen lernen.

Ansonsten hat uns Slowenien Ă€ußerst positiv beeindruckt. Sooo wenig Dreck an den StraßenrĂ€ndern kennen wir noch nicht einmal in Deutschland! Das sogar ohne Flaschenpfand. Die Leute, mit denen wir in Verbindung kamen, waren total nett und zuvorkommend. Alles, aber auch alles was wir sahen, war top in Schuss.

FĂŒr die Fahrt durch Kroatien suchten wir uns die kĂŒrzeste Distanz nach Bosnien und Herzogewina aus. Auf die landschaftlich wunderschönen MeeresstrĂ€nde, interessanten Altstadtensemles und Karl May-Seen haben wir wĂ€hrend der jetzigen Urlaubs-Hochsaison “keinen Bock”. Um andere Landschaften kennen lernen zu wollen, haben uns zu viele Warnungen von regelrechtem “Abzocken” der Polizei gewarnt. Campingplatzbesitzer- und sonstige Übernachtungsanbieter haben hier wohl besonders erfolgreichen Einfluss auf die Gesetzgebung...

Ca. 150 Km Luftlinie sollte die Durchfahrt lang sein. Trotz jĂŒngster Updates des Garmin-Navis mussten wir dann aber doch an der, sicher schon im Jugoslawienkrieg zerstörten BrĂŒcke wieder auf einen 2 Stunden Umweg gehen. 2013 in Russland waren unsere OSM-Karten genauer...

Kroatien Hinterland und BIH abseits der großen Hauptstrassen heisst zumeist durch einen grĂŒnen Korridor zu fahren, nicht wirklich interessant. An den großen Verbindungsstrassen fĂ€hrt man wenigstens ab und zu durch Ortschaften... Sieht alles zumeist recht neu und aufstrebend aus, oft sogar sehr wohlhabend... nur dass ĂŒberall zwischen den neuen in vielen Gegenden verlassene, zerstörte hĂ€user sind.... Aber ĂŒberall waren die Einheimischen uns gegenĂŒber freundlich aufgeschlossen.

Heute relaxen wir also auf einem Campingplatz in Mostar bei ĂŒber 38°C im Schatten. Mostar ist berĂŒhmt durch seine wunderschöne RundbogenbrĂŒcke, die im Jugoslawienkrieg zerstört, und als Weltkulturerbe relevant, wieder aufgebaut wurde. Wollen es uns morgen wohl anschauen, um dann weiter in Richtung Albanien zu ziehen. Hoffentlich ist es dort in den Bergen etwas kĂŒhler, seit Österreich haben wir regelmĂ€ĂŸig ĂŒber 30°...uff!!!

Bild

Nach Montenegro geht der nĂ€chste GrenzĂŒbergang.

Wir sind jetzt schon gespannt, wann wir den nÀchsten Internetzugang haben werden. Scheixx Roaming.


Wenn wir dann aber Eure Antworten lesen können, freuen wir uns schon jetzt

und grĂŒĂŸen recht herzlich,


die Iris mit ihrem Àlteren Roland
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Re: Albanien und so

Beitragvon deltaprofi fix » 15.07.2016, 19:50

Gute Reise euch beiden.

fix
FĂŒr das Können gibt es nur einen Beweis. Das TUN. Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach

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http://www.derlandmesserbus.de/

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Re: Albanien und so

Beitragvon Bus-Froind » 15.07.2016, 23:14

Schön von euch zu lesen, von den 38° könnten wir hier kurz vor der Nordsee 10°-12° gebrauchen.
War das mit der Pumpe nicht etwas zu einfach? Ich erinnere mich an die Temperaturgeschichte aus Russland. :-) :-( :-)

Weiterhin gute Fahrt und spannende Menschen!
Burkhard

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2. Albanien und so

Beitragvon RolandderĂ€ltere » 17.08.2016, 22:02

15.07.2016

Hallo Mitleserinnen und Mitleser,

den Anfang dieses Berichtes schreiben wir in Montenegro. Unbedingt nachtragen muß ich aber zu Bosnien und Herzogewina noch, dass es dort fast eine permanente Augenweide fĂŒr uns gab:
Wir, die wir doch einen VW-Bullifimmel mit uns herumtragen, erlebten in diesem Golfstaat (der VW Golf sÀmtlicher Baujahre ist mit Abstand das meistgefahrene Fahrzeug) noch viel mehr VW T3-Busse wie 2014 in England. Das versöhnte uns richtig mit den vielen Visitenkarten an den Windschutzscheiben auf deutschen ParkplÀtzen...

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Einen weniger schönen Nachtrag darf ich dann aber doch nicht vermeiden:
Die heute in den Gegenden, durch die wir gefahren sind, immer noch furchtbar anzusehenden Zeugnisse des "Jugoslawienkrieges".
In dem kurzen Teil Kroatiens, dann aber auch in Bosnien und Herzegowina, fuhren wir ein langes StĂŒck durch Gebiete, in denen die Spuren dieses Krieges nur noch zu deutlich sind.

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In unseren Augen war dieser Krieg ja hauptsÀchlich ein Krieg der Religionen.
Wo auch immer schon Wohn- und Landwirtschaftsbebauung existierte, lebten die Menschen seit Ewigkeiten in friedlicher Nachbarschaft. Nach dem Tod von StaatsprĂ€sident Bros Tito, dem starken Vater Jugoslawiens, machten ĂŒberall siegestrunkene Vertreter beider Religionen und wohl auch Weltanschauungen klar, dass der Nachbar des (jeweiligen) Teufels sei.
Im Ergebnis stehen in diesen Landstrichen jetzt gut bewirtschaftete HĂ€user auf GrundstĂŒcken der Bewohner mit der einen Religion neben den zerschoßenen oder abgebrannten HĂ€usern auf GrundstĂŒcken der, geflĂŒchteten oder gar toten, Bewohner mit der anderen Weltanschauung.
Je nach LĂ€ngen und Breitengrad schmĂŒcken sich die BethĂ€user dort mit einem Kreuz oder Halbmond auf dem Dach...

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In Montenegro begann alles wieder mit einer Schwitzerei. Bis 39°C im Schatten.
Eine Deutsch/Montenegrinerin am Straßenparkplatz kam wie ein Schutzengel. Sie meinte, dass man zum Schlafen da oben im Durmitor-Nationalpark, fast schon im Norden des Landes, eine Wolldecke brauche. Das wirkte wie ein Befehl.
Eigentlich suchten wir auf dem Wege dahin laufend eine Stelle, an der wir „frei stehen“, aber doch auch Schatten bekommen: Fehlanzeige. So kamen wir dann pĂŒnktlich an den beiden Nationalfeiertagen (UnabhĂ€ngigkeit des Landes) in eines der Hauptausflugsgegenden der HauptstĂ€dter, die aus ihrem aufgeheizten Talkessel endlich mal flĂŒchten konnten.
Voll war hier kein Ausdruck. Deshalb, aber auch wegen möglicher Internetverbindung standen wir hier wieder einmal auf einem Campingplatz. 3 ganze Tage.
Hier ist Wandern angesagt. Die Bergkulisse mit etlichen Seeen grenzt schon fast an Postkartenkitsch. Ist jetzt aber positiv unterlegt... Die "Wolldeckenprophezeihung" erfĂŒllte voll unsere Erwartung.
Am 3. Tag, gewitterte es hier immer wieder und das Außenthermometer zeigte gerade 9,8° C. Unsere Standheizung lieferte uns in unserem Wohnklo mit Kochnische wohlige 21° C. Man gönnt sich ja sonst nichts...

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Die internationale Nachbarschaft war total bunt gewĂŒrfelt. Vom, auch noch recht lang geratenen (Hochachtung wegen der bewĂ€ltigten Straßen) Wohnmobil, ĂŒber Reisemobile (im Moment sind wir drei VW-Busse plus ein LT 28 mit H-Kennzeichen ((Neid))), als GelĂ€ndekönig ein russischer Cobold (frei nach dem verkĂŒnstelten Kyrillisch ĂŒbersetzt) etlichen PKW und KombiÂŽs, hin zu Stiefeln und Sandalen der Rucksackreisenden reichten die Transportmittel.

Bild
der Cobold

Die Zelte unterschieden sich eigentlich nur noch durch ihre GrĂ¶ĂŸe. „Quick Erect“, „Wurfsystem“, Glasfaser, Carbon und Nylon, wahrscheinlich fast alles aus dem selben Land der Mitte, bringen sie alle mit. Hoffentlich ist das auch alles wasserdicht.

Bei strahlendem Sonnenschein hatte ich am ersten Tag noch in Ruhe die heilige Kuh inspiziert.
Zahnriemen, Dichtheit u.s.w., ich fand alles im grĂŒnen Bereich.

Unsere Nachbarn, am meisten wohl aber unsere deutschen, ĂŒberhĂ€ufen uns immer wieder mit Tipps, was wir uns alles unbedingt noch so ansehen mĂŒĂŸten.
Das erleben wir schon lange auf unseren Reisen. Obwohl doch eigentlich alle mitbekommen, dass wir schon seit ein paar Jahrzehnten einige LĂ€nder (MNE ist das 66.) auf dieselbe Art bereisten, ist man offensichtlich besorgt, dass wir da nichts zum sehen bekommen?
Unser Interesse an AltertĂŒmern, BaudenkmĂ€lern oder Museen ist mittlerweile allerdings stark dem an Menschen und Landschaft, aber auch ganz einfach an "dem Leben unterwegs" gewichen.


Bei der Grenzabfertigung nach Albanien merkten wir wieder einmal so richtig, dass wir uns wohl doch in einer anderen Welt befanden: Ellenbogenbewehrte Fahrer sehr dicker Limousinen drÀngelten auf der Gegenfahrbahn direkt bis zum Kontrollpunkt. Niemand machte auch nur Anstalten, sie daran zu hindern. Sie wurden auch sofort abgefertigt...

Shkoder war unsere erste Stadt in Albanien. Gleich auch unsere erste Überraschung.
Äußerst großzĂŒgig angelegte Straßen mit Parkanlagen, Monumenten, GeschĂ€ftshĂ€usern und Einkaufsmöglichkeiten. Der Verkehr verlief dermaßen gesittet, langsam und vorsichtig, dass wir schon dachten, die Polizei mĂŒsse hier besonders hart bei allem möglichen durchgreifen. Trugschluß: Die Albaner fahren einfach so. Äußerst angenehm. Bis zur Ausreise sahen wir auch keinen einzigen Unfall.

Nach knapp 2 Wochen (mittlerweile) in Albanien hatten wir uns zu vielem schon ein eigenes Bild gemacht.
Die Entwicklung Albaniens nach dem Kommunistischen Regiem war offensichtlich zu krass vielfach unnatĂŒrlich und schĂ€dlich.

http://www.spiegel.de/reise/europa/wand ... 03544.html

Die Entwicklungshilfen, die viele Staaten einbrachten und einbringen, kommen nicht immer so an, wie wir es fĂŒr richtig halten.
Offensichtlich hat z.B. die deutsche Gesellschaft fĂŒr internationale Zusammenarbeit ihre UnterstĂŒtzung fĂŒr den Bau von TouristenunterkĂŒnften in abgelegenen Gegenden dermassen vorangetrieben und dies derart propagiert, dass der Eindruck, jeder Quadratmeter auf dem ein Tourist nur stehen bleibt könne Geld einbringen, entstehen mußte.

Über Albanien habe ich im Vorfeld viele Informationen gesammelt. HauptsĂ€chlich natĂŒrlich im Internet. Und dort aus Reisebeschreibungen hauptsĂ€chlich jĂŒngerer Reisende, die auch nicht auf Ă€ltere Erfahrungen zurĂŒckgreifen konnten.

"Wild campen", (wir betreiben lieber "freies stehen") wird in vielen Reiseberichten als "total einfach" beschrieben. Wenn wir aber weiterlesen, oder gar nachfragen können, stellt sich meistens heraus, "dass man da bei diesem Restaurant oder Haus nur "was original albanisches gegessen habe, die Leute total freundlich waren, die Oma beim Abschied fast weinte, und man so richtig das Land kennen gelernt hÀtte".

FĂŒr unsere 1. Nacht in Albanien fanden wir einen Platz, den wir eigentlich als kommunalen Grund einstuften. An einer Weggabelung neben einem Kindergarten und Fußballfeld, am Ortsrand.
Wir hatten gut geschlafen und mit den vorbeiziehenden Hirten und anderen Bewohnern freundliche WinkgrĂŒĂŸe ausgetauscht. Kurz vor dem Weiterfahren besuchte uns aber der "Josef" der meinte, da wir nun diese Nacht auf seinem Grund genĂ€chtigt hĂ€tten, sollten wir doch nun die dafĂŒr nötigen € 30,00 bezahlen.
Es stellte sich heraus, dass er ca. 100 Meter weiter ein Restaurant besaß, wo wir ja auch hĂ€tten stehen können.
Solch eine Art der Wegelagerei war fĂŒr uns Neuland.
Wegen sĂ€mtlicher Unbekannten, die Albanien fĂŒr uns in diesem Moment noch darstellte, aber auch wegen der Ă€ußerst aggressiven Art von Josef bekam er dann doch unseren kleinsten albanischen Geldschein im Wert von € 7,50. Er ließ sich bei all dem auch noch fotografieren und unterschrieb eine, von uns auf Deutsch geschriebene, Quittung.

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Auf den Weg zur Polizei verzichteten wir. Da wir ja kurz vor einer, als haarig bekannten, Piste waren und nicht wußten, ob wir nicht umdrehen mĂŒĂŸten und somit wieder an dieser Stelle vorbeikommen wĂŒrden, ein jeder hier aber auch mit jedem anderen per Handy Botschaften austauschen kann, wagte ich auch nicht, irgend ein Gewaltmittel (wie z.B. gegen wilde Tiere) einzusetzen.

Auch wegen diesem Erlebnis ĂŒbernachteten wir in der 2. Nacht bei einer Herberge hinter Teth, einem gewissen Zentrum des "neuen Tourismus", mit einer Oma wie oben beschrieben.
Eine 14 Köpfige, von einem albanischen ReisefĂŒhrer geleitete Wanderreisegruppe gab uns dort gleich eine grĂŒndliche Anschauung, wie diese Art des Tourismus hier aussieht.
Uns erschienen alle Beteiligten rundum zufrieden. Sie wurden von dem emsigen ReisefĂŒhrer in einigen Etappen, per "Buschtaxi", zu landschaftlichen Höhepunkten geleitet und sehr umfassend ĂŒber alles aufgeklĂ€rt, was sie nur wissen wollten.

Die Rechnung, die wir dann beglichen war:
Parken 500 Leke,
2 Abendessen 1400 Leke, ca. 12 €.
Allesamt Zutaten aus eigener Herstellung deren Marktpreise wir als (fĂŒr uns) extrem niedrig kennen lernten. Wasser inclusive, Bier und Raki natĂŒrlich extra, je 100 Leke. Letztere Preise landesĂŒblich.
Mit diesen Zahlen alleine kann man hier eigentlich nichts aussagen. "Low budget" war das aber keinesfalls.

Die 3. Nacht verbrachten wir immer noch auf dieser "Teth-Rundfahrt", zusammen mit einer 4 Köpfigen polnischen T3-Familie, auf einer schönen Wiese, fast im Nirgendwo. Wir hatten einen informativen "T3-Technikaustausch" und lagen kurz nach 9 Uhr in den Kojen.
Gegen 10 Uhr begann um uns herum ein Geschieße aus Kriegswaffen, wie wir es eigentlich nur aus Kriegsberichten der letzten Jahre im Fernsehen kennen, und bis ca. 3 Uhr am Morgen anhielt.
Diese SchĂŒsse waren örtlich zu weit voneinander entfernt, als dass sie zu KĂ€mpfen gegeneinander eingeordnet werden konnten. GefĂŒhlsmĂ€ĂŸig wurden da ĂŒber 1000 SchĂŒsse abgefeuert. "Unsere" polnische Familie schlief in dieser Nacht nicht aufgeteilt unten und im Aufstelldach, sondern alle unten zusammengedrĂŒckt. Zum flĂŒchten gab es fĂŒr uns nur den Weg zurĂŒck, oder den Weg nach vorne. In beiden Richtungen wurde geschossen.
An der ersten Tankstelle hinter dieser Piste (Durchschnittsverbrauch 28 L/100 Km) bekamen wir folgende einfache ErklĂ€rung von einem sehr gut englisch sprechenden (noch Ă€ußerst selten in diesem Land) Albaner:
Eine, in dieser Gegend offensichtlich ĂŒbliche Art des Feldanbaus ist nicht immer und ĂŒberall angesehen. Also bezeugen die Marihuanabauern etwaigen Neidern oder gar Gegnern, "bleibt uns von der Pelle, hier gibt es auch Bohnen in blau"...
Andere Touristen berichteten von einer kurz davor beobachteten großen Aktion mit viel Polizei und MilitĂ€r, die dabei halfen einige Pic Ups voll mit diesen Erzeugnissen abzuernten.

http://www.dw.com/de/waffenlager-balkan ... a-18895804

Die Fahrerei auf der Piste war eben wie eine Fahrerei auf einer Piste. Eben eine Geröllpiste (1.HÀlfte des Videos weiter unten).

Bemerkenswert war hier aber schon der hin und wieder doch vorhandene Gegenverkehr: Neben wenigen, Ă€lteren, GelĂ€ndewagen aus Fernost ist der gute alte Benz D 208 Kleintransporter und seine gleichartigen BrĂŒder der König. Die Fahrer scheinen alle nicht die EigentĂŒmer zu sein (stimmt wahrscheinlich aber nicht), ob ihrer rasanten Fahrweise.
Wie oben auch zu Shkoder beschrieben, begegnete man sich auch auf der Piste immer Ă€ußerst rĂŒcksichtsvoll.
Immer wich derjenige aus oder fuhr zurĂŒck, fĂŒr den es am leichtesten war. Es gab nie diesen berĂŒchtigten Hahnenkampf, der unserem Geschlecht doch so oft nachgesagt wird.

Oben beschrieb ich albanisches TouristengeschÀft in der einen Art. Wie zur BestÀtigung, dass "normale"- und Touristenpreise unterschiedlich kalkuliert werden, das Meiste aber doch auch irgendwie ehrlich ablÀuft:
Nach dieser Piste musste der polnische T3-Fahrer einen seitlichen Durchschlag an seinem einen Reifen reparieren lassen. Viele "Gomist"- WerkstÀtten warten nach den Pisten auf ihre Kundschaft.
Der eine machte dann eine durchaus gute und grĂŒndliche Arbeit (wenn man deutsche Bestimmungen und Üblichkeiten beim Reparieren von seitlichen ReifenbeschĂ€digungen mal aussen vor lĂ€ĂŸt), hatte ein professionelles MontagegerĂ€t, Aufrauhwerkzeug und Markenflickzeug, mit dem er den Flicken von innen sorgfĂ€ltig flickte.

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FĂŒr alles wollte er dann 3 (in Worten drei) Euro haben. Als er mitbekam, dass sein Kunde auch in albanischen Leke zahlen konnte, wollte und bekam er dann einen Betrag der nĂ€her an 2, als an 3 € herankam.

Wir "lieferten" wieder einmal einen Lichtmaschinenkeilriemen.
Bei der nĂ€chsten Gelegenheit kauften wir in einer kleinen Stadt gleich 2 neue. Markenware! DafĂŒr "mußten" wir dann umgerechnet 8,25 € berappen. FĂŒr beide!

Wir waren nach einiger Zeit wieder einmal fĂ€llig fĂŒr einen Campingplatz mit Schatten und Dusche. So war es dann einer der wenigen, auch vom ADAC angezeigten PlĂ€tze.
20 € löhnten wir pro Nacht fĂŒr den Schattenplatz, nicht abschließbaren Duschen und Kommunikation mit etlichen Touristen aus der EU und einem sehr netten Betreiber.

Nach der Diskussion ĂŒber unsere Kalaschnikowerfahrungen stellte er eine gute Frage, die heute doch sehr zu denken aufgibt: "HĂ€ltst Du Albanien fĂŒr weniger sicher wie Deutschland?" Es kam unser eindeutiges "Nein". Schließlich hatten wir in Albanien doch Internet (3 GB Simkarte fĂŒr 800 Leke, ca. € 6,40...) und waren leider auch ĂŒber die letzten Ereignisse in Deutschland informiert.

Ein viel weitergegebener Tip ist der Ohridskosee, Teil der Grenze zu Macedonien. Wir sahen dort die fast schon kompletten Vorbereitungen fĂŒr den großen Touristenstrom:
AnnĂ€hernd das ganze albanische Ufer ist mit einer perfekten Straße versehen. Mit UnterfĂŒhrungen fĂŒr FußgĂ€nger zwischen Uferstreifen und Wohnbebauung. Seeseitig liegt ein genauso langer Fuß- und Radweg mit steinernen SitzbĂ€nken und Abfalleimern. An den schönsten Stellen liegen CampingplĂ€tze.
Noch fehlen dort die Touristen. Kommen bestimmt bald. Wohl eine Sache der Planung.
Vorbildlich sind in dieser Landschaft auf jeden Fall die unverbauten Ufer.

Ganz toll empfanden wir unseren Aufenthalt in Petran.
Am Ende eines Canyons sprudeln hier, in einer malerischen Umgebung, mehrere verschieden warme Quellen hervor. Eine gewisse Menge Schwefel ist da wohl auch im Spiele.

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Die ErschließungstĂ€tigkeiten fĂŒr den großen Tourismus sind noch im Anfangsstadium, was recht vielen Albanern traditionell aber offensichtlich egal ist. WĂ€hrend unserer 3 Tage Aufenthalt sahen wir dort sehr viele Besucher wiederholt Kurlauben.
Die steinigste Stelle der absolut schattenfreien Parkmöglichkeiten hat sich dort als ĂŒblicher Treffpunkt der "Overlander" etabliert.

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Von dieser Sorte konnten wir wieder die verschiedensten Spezies kennen lernen. Vom Skoda PKW-Kombi, bis zum riesigen Steier Puch LKW mit den verrĂŒcktesten Schau-Ausstattungsdetails war alles vertreten. Interessant!

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Trotz der kĂŒnftig wohl gewaltigen Investitionen, die dort getroffen werden, lag der Übernachtungspreis bei 200 Leke. Und das noch mit offiziellem Kassierer und Quittung mit fortlaufender Numerierung. Geht doch auch noch hier...

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Das Christentum und der Islam sind die beiden Hauptreligionen hier.
Sichtbare Zeichen sind fĂŒr uns einzig die verschiedenen BethĂ€user und Friedhöfe.
Die Menschen auf der Straße, Lebensmittel in den GeschĂ€ften, aber vor allem die Kleidung der Frauen zeigten nichts von ErnĂ€hrungs- oder Bekleidungsvorschriften. Schweinefleischerzeugnisse, Bikinis und ansonsten recht hinsehenswerte (fĂŒr uns MĂ€nner) leichte Kleidung gab es ĂŒberall.

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Iris meinte dazu: "Wenn der Islam auch bei uns so gelebt werden wĂŒrde, gĂ€be es dessen viele Gegner heute bestimmt nicht."

Unsere 2. Woche in Albanien (ist ja eigentlich kein sehr weitlĂ€ufiges Land) war schon recht weit angegriffen. Wir hatten jetzt permanent ca. 37° C ohne Schatten tagsĂŒber. Selbst das Gastgewerbe bot Schatten nur noch in "BiergĂ€rten" oder RestaurationsrĂ€umen. Die ParkplĂ€tze liegen total in der Sonne (wohl schon im Hinblick auf nur noch mit klimatisierten Autos anrollender Kundschaft?) fĂŒr uns alles gute Entscheidungshilfen, bald wieder Neuland betreten zu wollen.
Von Tepelene in Richtung Vlore wĂ€hlten wir nach unserer neuesten Karte eine "Hauptstraße" aus. Wir hatten uns fĂŒr Griechenland entschieden. Diese besagte Hauptstraße erwies sich dann aber noch einmal als ein landestypischer Trugschluss: Wir bekamen, statt dem erwarteten Asphalt zum Abschluss die böseste und einsamste Piste dieser Reise auf 27 Km (2. VideohĂ€lfte). Vielleicht sollte man doch immer nur die Strecken fahren, die die anderen einem einreden wollen?

https://vimeo.com/178647436

Die QualitĂ€t der Verkehrswege, aber auch der Bebauung in Ortschaften jeglicher GrĂ¶ĂŸenordnung zeigt sĂ€mtliche Extreme.
In vielen Landstrichen sahen wir eigentlich nur TrĂŒmmer, verlassene Werkshallen und Abfallhaufen. Viele zig-Kilometer hintereinander.

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In anderen dagegen Villen, modernste Fertigungsbetriebe, BankhÀuser "vom feinsten" und VerwaltungsgebÀude allerersten Standarts.

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Wir waren dann aber endlich auch am sĂŒdlichsten Teil Albaniens, und dort am Meer. An diesem Meeresteil, das auf unserer Karte schon etliche Bleistiftmarkierungen aufwies. Markierungen, die allesamt "wunderschöne und einsame StrĂ€nde, an denen man schon tagelang gestanden ist", bedeuteten.
Das hat bestimmt alles einmal gestimmt. Wir fanden aber keinen einzigen davon mehr. Jeglicher Meter Ufer, an den man heranfahren könnte, ist fĂŒr den ĂŒblichen Strandkommerz vermarktet. Je mehr man in Richtung griechischer Grenze kommt, um so höherwertiger wird die gesamte Vermarktung. Die Hotelburgen können denen in Spanien, Italien und Kroatien absolut schon das Wasser reichen! Dementsprechend war natĂŒrlich auch der gesamte Rummel am rotieren. Porsche, Lamborgini und andere solche Unterlegkeile fĂŒr schrĂ€ge CamperstellplĂ€tze ließen uns fragen, wovon wird das alles in dieser Menge verdient? Sollten das einfach diese Kalaschnikows und das Marihuana bringen? Fast nicht vorstellbar.

In Albanien waren ich mit meinen Vorstellungen wohl einfach zu spÀt dran,
meint, mittlerweile aus Griechenland grĂŒĂŸend
RolandderÀltere
der mit dem fussbodenbeheizten, hochschlĂ€ferbestĂŒckten, 15" Syncro,
seiner heiligen Kuh,
und 73 seit 1971 mit VW Bulli bereisten LĂ€ndern.


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